IOS-NEWSLETTER 
Forschung, Veranstaltungen, Publikationen

Epistemologies of In-Betweenness: East Central Europe and the World History of Social Science, 1890-1945.

Workshop.
Datum: 29.–30. Mai 2015
Ort: Institut für Ost- und Südosteuropaforschung, Regensburg
Deadline for submissions: December 1, 2014
Call for Papers

Migration in and out of East and Southeast Europe: Values, Networks, Well-Being

Dritte Jahrestagung des IOS.
Datum: 2.–4. Juli 2015
Ort: Institut für Ost- und Südosteuropaforschung, Regensburg
Deadline for paper proposal submissions: January 18, 2015
Call for papers

Summer Academy 2015: Openness, Institutions, and Development

7th Joint IOS/APB/EACES Summer Academy on Central and Eastern Europe.
Date: July 27–29, 2015
Location: Akademie für Politische Bildung Tutzing on Lake Starnberg near Munich
Submission deadline: April 15, 2015.
Call for Papers

Entwicklung eines gemeinsamen Forschungsprofils

Die disziplinäre Struktur des IOS bietet besondere Chancen für die Entwicklung eines innovativen Forschungsprofils. Denn die Kooperation von Geschichts- und Wirtschaftswissenschaften kann gerade wegen der sehr unterschiedlichen disziplinären Methoden originelle Fragestellungen aufwerfen und zudem neuartige Zugänge zu Fragen ermöglichen, an denen beide Disziplinen interessiert sind und zu denen sie gemeinsam einen Beitrag leisten können.

 

Pfadabhängigkeit, Wandel und Kontingenz

Als übergeordnetes Leitthema für die Forschung hat das IOS die Frage nach dem Verhältnis von Pfadabhängigkeit, Wandel und Kontingenz bestimmt, wie dieses in der Entwicklung des östlichen und südöstlichen Europa immer wieder in unterschiedlicher Weise zum Vorschein kommt. Die historische Forschung fokussiert dabei Veränderungsprozesse seit etwa dem Beginn des 19. Jahrhunderts, betrachtet problembezogen aber auch frühere Zeiträume. Die wirtschaftswissenschaftliche Forschung ist primär an Fragestellungen interessiert, die in der Gegenwart angesiedelt sind, hat aber die geschichtlichen Bedingtheiten mit im Blick. Beiden Zugängen gemeinsam sind die Betonung von transnationalen und vergleichenden Perspektiven sowie das Interesse für das Spannungsverhältnis zwischen Konvergenz und Divergenz. Die betrachteten Phänomene werden als historisch gewachsene und damit veränderbare angesehen, deren Besonderheiten sich durch ihre jeweils spezifischen Beziehungsgeflechte konstituieren.

 

Der Begriff der gesellschaftlichen Institution

Disziplinen-übergreifende Relevanz besitzt der Begriff der gesellschaftlichen Institution insbesondere in Hinblick auf die Konzeptionalisierung gemeinsamer Fragestellungen. In einem weiten Verständnis werden Institutionen als bewusst gestaltete oder auch ungeplant entstandene, formelle oder informelle gesellschaftliche Regelsysteme mit einem gewissen Mindestmaß an Stabilität aufgefasst. Institutionen erzeugen Erwartungen und dienen als Rahmen, aber auch Instrumente sozialer Praxis. In ihnen manifestieren sich kulturelle Einstellungen und gesellschaftliche Werthaltungen. Anhand von Institutionen lassen sich Dynamiken von Stabilität und Wandel beschreiben und auch erklären; Institutionen können Wandel bewirken bzw. Kontinuität herstellen. Sie vermitteln zwischen Makro-, Meso- und Mikroebene, indem sie auf die gegenseitige Bedingtheit der drei Ebenen verweisen, die nicht ohne die jeweils anderen existieren können; Phänomene auf einer der drei Ebenen können nur aus ihrer Interaktion mit den jeweils anderen erklärt werden. Institutionen bilden somit auch eine Verbindung zwischen gesellschaftlichen Strukturen und dem Handeln einzelner Akteure (von Individuen bis hin zu Kollektiven). Sie sind ebenso Bedingung wie Ergebnis sozialer Interaktion. Auf Grund der beschriebenen Zusammenhänge stellt die Erklärung des Wandels institutioneller Arrangements und seiner Wirkungen ein besonderes Forschungsinteresse des IOS dar.

 

Das Verhältnis von Kontinuität und Diskontinuität als forschungsleitende Perspektive

Ost- und Südosteuropa durchlebt(e) in den letzten Jahrhunderten und gerade auch in der jüngsten Vergangenheit sowie der Gegenwart tiefgehende Umbrüche. Soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Ordnungen wurden wiederholt grundlegend verändert – sei es durch Revolutionen oder Evolutionen, sei es im (und durch) Krieg oder in Friedenszeiten. Dennoch zeigen sich starke Elemente der Kontinuität über alle Transformationen hinweg. Dieses Verhältnis zwischen Kontinuität und Diskontinuität ist eine forschungsleitende Perspektive vieler am IOS behandelter Fragestellungen. Gerade die Zusammenarbeit von Historikern und Ökonomen kann neue Antworten auf die Frage nach Pfadabhängigkeiten und ihrer (Ir-)Relevanz generieren. Dabei interessiert sich das IOS auch für Differenzen sowohl innerhalb Ost- und Südosteuropas als auch zwischen dieser Region und dem westlichen Europa, z. B. in Hinblick auf das dauerhafte Wohlstandsgefälle sowie die Legitimität von Institutionen. Unterschiedlichkeit begreifen wir als relationale und keinesfalls essentielle Kategorie. Angesichts der intensiven Verflechtungen innerhalb der Region sowie von Ost- und Südosteuropa mit anderen Teilen der Welt bietet sich die Region als exemplarisches Untersuchungsgebiet an, um herauszufinden, ob und inwieweit Austauschbeziehungen zu Konvergenz führen oder Divergenz verstärken – oder beide Resultate gleichzeitig, aber nach Erkenntnisgegenstand differenziert eintreten. Wichtig ist dabei auch die Frage nach unterschiedlichen Temporalitäten, um sowohl langfristige als auch kurzfristige Veränderungsprozesse zu identifizieren.

 

Bi-disziplinäre Struktur als Vorteil

Die Erforschung von Wandel ebenso wie von Kontinuitäten erfordert die Frage nach Zielstellungen, Handlungsmöglichkeiten und Wahrnehmungen konkreter Akteure auf unterschiedlichen Ebenen der gesellschaftlichen Hierarchie. Gerade für diese Frage erweist sich die bi-disziplinäre Struktur des Instituts als großer Vorteil, stellen doch Geschichts- und Wirtschaftswissenschaften schwerpunktmäßig jeweils unterschiedliche Akteure und Kausalitäten in den Mittelpunkt ihrer Analysen. Die Kombination der beiden Disziplinen erlaubt die Verschränkung von hermeneutischen, qualitativen sowie quantitativen Methoden sowie von eher auf die Mikro- und auf die Makroebene gesellschaftlicher Interaktion gerichteten Blickwinkeln.

Der langfristig angelegte Erkenntnishorizont der Forschung am IOS wird mittelfristig entlang von drei Schwerpunktthemen verfolgt, die eine produktive Perspektive auf das Spannungsverhältnis zwischen Pfadabhängigkeit und Wandel darstellen; darüber hinaus markieren die drei Leitthemen Bereiche hoher gesellschaftlicher und damit auch politischer Relevanz:

  1. Governance zwischen Personalisierung und Formalisierung
  2. Dynamiken des Austausches (Migration und Handel)
  3. Formen und Beziehungen von Arbeit im Wandel

Zwischen den drei Themen gibt es vielfache Berührungspunkte und analytische Schnittmengen, die zu besonderen Synergien in der Forschungspraxis führen.