IOS-NEWSLETTER 
Forschung, Veranstaltungen, Publikationen

Seminarreihe des Arbeitsbereichs Ökonomie am IOS

Zeit: Dienstag, 13.30–15.00 Uhr
Ort: WiOS, Landshuter Str. 4 (Raum 109)
Programm Sommer 2017

Forschungskolloquium: „Geschichte und Sozialanthropologie Südost‐ und Osteuropas“

Zeit: Donnerstag, 14–16 Uhr
Ort: WiOS, Landshuter Str. 4 (Raum 017)
Programm Sommersemester 2017

Doppeltagung (Regensburg, Marburg):

Bilder und Sprachen von Not, Gewalt und Mobilisierung. Das östliche Europa nach 1918 in medialen Repräsentationen

Call for papers

1. Tagung: Der Nachkrieg
IOS Regensburg 12.–13. April 2018

Eine ausführliche Beschreibung der Tagung und des CfP finden Sie hier.
Bitte bewerben Sie sich über dieses Onlineportal.
Deadline für Referatsvorschläge: 31. Juli 2017

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Leibniz

Donauwörth – Zürich – Aarau – Kazan’: Lebensunzufriedenheit als Wanderungsgrund? Der Fall des Franz Xaver Bronner

Bearbeiter: Hermann Beyer-Thoma

Im Jahre 1809 bewarb sich der ehemalige Benediktinermönch Franz Xaver Bronner (1758 – 1850) aus dem bayerischen Höchstädt erfolgreich um die Professur für Physik an der neugegründeten russischen Universität Kazan’. Er hatte Jahrzehnte von Wanderungen und Fluchten hinter hinter sich, die ihn von einem Kloster in der Reichsstadt Donauwörth über Basel, Zürich und Bern in den Hauptort des neuen Schweizer Kantons Aargau geführt hatte; ebenso bunt war seine berufliche Karriere als Mönch, Idyllendichter, Schriftsteller, Memoirenschreiber, Beamter der kurzzeitigen revolutionären Helvetischen Republik und schließlich als Lehrer in ungesicherter Stellung am neugegründeten Kantonsgymnasium.

Quellenlage: Bronners Biographie ist sehr gut belegt, u.a. durch eine zweibändige gedruckte Lebensbeschreibung, die bis in die Mitte der neunziger Jahre des 18. Jh. reicht, und durch seinen umfangreichen Nachlass, der in besonderem Maße die Papiere umfasst, die im Umfeld der Berufung und der Reise nach Kazan’ entstanden sind. Im Nachlass sind darüber hinaus viele unveröffentlichte historische Arbeiten enthalten, in die der Autor vielfach seine eigenen Erfahrungen eingeflochten hat.

Methode: Das Forschungsvorhaben stützt sich auf eine kritische transdisziplinäre Sichtung der häufig miteinander kommunizierenden migrationstheoretischen Ansätze aus der Ökonomie, Psychologie, Soziologie und Geschichte. Ausgewählt wurde der Systemansatz, der das Wanderungsgeschehen in seiner ganzen Komplexität untersuchen will.

Fragestellung: Es soll exemplarisch der Wanderungsentschluss einer Einzelperson rekonstruiert werden. Dabei erlauben es die methodischen Erkenntnisse der verschiedenen Disziplinen, sehr unterschiedliche Fragen zu stellen, beispielsweise nach Erfahrungen mit Wanderung und Flucht als Problemlösung; nach der Dauer des Entscheidungsprozesses; nach den persönlichen Lebenszielen und Idealen sowie den sozialen Normen einerseits und den perzipierten Möglichkeiten und Beschränkungen andererseits.

Bisherige Ergebnisse: Der Systemansatz und das transdisziplinäre methodische Herangehen erweitert unsere Erkenntnismöglichkeiten erheblich. Zumindest bei einer schreibgewandten Person, die sich laufend selbst Rechenschaft ablegt, sind allerdings völlig unausgesprochene wichtige Wanderungsgründe, wie sie gelegentlich unterstellt werden, nicht nachzuweisen.