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Corruption in Eastern/Southeastern Europe and Latin America: Comparative Perspectives

Fifth Annual Conference of the Institute for East and Southeast European Studies
29 June – 1 July 2017, IOS Regensburg.

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Geschichte vor 1945

Das Südost-Institut wurde 1930 in München von der Stiftung zur Erforschung des deutschen Volkstums im Süden und Südosten gegründet. Unter seinem ersten Direktor Karl Alexander von Müller widmete es sich zunächst der bayerischen Siedlungsgeschichte und dem "Deutschtum" in den böhmischen Ländern, in Österreich und in Südtirol. Ein Ausdruck dessen sind die ersten Bände der Schriftenreihe Südosteuropäische Arbeiten, die zusammen mit dem Institut für Ostbairische Heimatforschung in Passau herausgegeben wurden. Mit dem Eintritt von Fritz Valjavec ins Institut wurde ab 1935 Südosteuropa in den Blick genommen. Valjavec erhielt vom Stiftungsrat den Auftrag, eine historische Zeitschrift zu gründen. Im darauf folgenden Jahr erschienen die Südostdeutschen Forschungen, die seit 1940 den heutigen Namen Südost-Forschungen tragen. Inhaltlich wurden sowohl die Geschichte der Deutschen in Südosteuropa als auch die Landesgeschichte der Einzelstaaten behandelt. Von Anfang an knüpfte Valjavec zu diesem Zwecke Kontakte zu Wissenschaftlern aus Südosteuropa, die mit großer Mehrheit keine „Südostdeutschen“ waren. Generell trat der Anteil "deutscher" Gegenstände in die zweite Reihe, spätestens zu Kriegszeiten war er von eindeutig nachgeordneter Bedeutung. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde das Institut dem Deutschen Auslandswissenschaftlichen Institut angegliedert; zudem übernahm Valjavec eine Professur an der Auslandswissenschaftlichen Fakultät der Universität Berlin. Im Zuge der Anbindung an diese Berliner Institutionen wurde das Südost-Institut 1943 wie die meisten oder eventuell alle auslandswissenschaftlichen Institute innerhalb des Reiches der Abteilung VI G des Reichssicherheitshauptamts unterstellt. Valjavec selbst reiste in der zweiten Jahreshälfte 1941 für das Einsatzkommando 10b der Einsatzgruppe D der Sicherheitspolizei und des SD in die Bukowina. Andererseits unterhielt er enge Kontakte zu bayerischen monarchistischen Widerstandskreisen und hinterließ auch sonst Zeugnisse einer distanzierten Haltung gegenüber dem Regime, so dass seine Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus schwer zu fassen ist. Das Institut wurde 1944 zwar auf das flache Land nach Arbing in Niederbayern verlagert, die Buchbestände verblieben aber in München und verbrannten bei einem Bombenangriff.

 

Wiederaufbau nach dem Krieg (1945-1960)

Die nicht vollständig zu klärende Rolle von Valjavec im Dritten Reich veranlasste diesen immerhin, nach 1945 zunächst keine wissenschaftliche Anstellung anzustreben. (Person und Wirken von Valjavec stehen im Mittelpunkt von Band 119 der Südosteuropäischen Arbeiten, herausgegeben durch Mathias Beer und den damaligen Leiter der Institutsbibliothek, Gerhard Seewann: Südostforschung im Schatten des Dritten Reiches. Institutionen, Inhalte, Personen. München 2004). Darin liegt auch ein wesentlicher Grund, warum es bis 1951 dauerte, das Südost-Institut unter der Ägide des bayerischen Wissenschaftsministeriums und unter Beteiligung des Bundeskanzleramts wiederzubeleben. Da Valjavec aber stets seine Kontakte zu wichtigen Personen aus Politik und Wissenschaft gepflegt hatte, blühte es danach unter seiner Leitung (seit 1955 als Direktor) rasch auf. Neben der historischen Abteilung wurde nun auch Gegenwartskunde betrieben. Ab 1952 erschien der Wissenschaftliche Dienst Südosteuropa (seit 1982 unter dem Titel Südosteuropa) und im Jahre 1957 der erste Band der Schriftenreihe Untersuchungen zur Gegenwartskunde Südosteuropas. Darüber hinaus war mit der Herausgabe der Südosteuropa-Bibliographie ab 1956 eine Lücke in der sich während des Kalten Kriegs immer schwerer gestaltenden Literaturrecherche zu füllen. Im gleichen Jahr bezog das Institut seine Räume in der Münchner Güllstraße 7 und der formale Träger, jetzt unter dem Namen Stiftung für wissenschaftliche Südosteuropaforschung, erhielt eine neue Satzung. Inzwischen waren Bundesministerien neben das Bayerische Kultusministerium als Zuwendungsgeber getreten. Daran änderte sich auch nichts durch den plötzlichen Tod von Fritz Valjavec 1960.

 

Prosperierende Jahrzehnte (1960-2000)

Der vorübergehende Schock über den Tod einer Person, die das Institut in den vorangegangenen 25 Jahren maßgeblich geprägt hatte, konnte durch die schnelle Berufung des Berliner Professors für Südosteuropäische Geschichte, Mathias Bernath, zum neuen Institutsleiter überwunden werden. Vorherige Zeitverträge wurden in Planstellen umgewandelt. In der als Struktureinheit neu etablierten Gegenwartsabteilung erfolgte die Einrichtung von Länderreferaten, die gezielt die steigende Nachfrage an Expertisen zum kommunistischen Südosteuropa bedienen konnten. Mit dem Biographischen Lexikon zur Geschichte Südosteuropas und der Historischen Bücherkunde Südosteuropa legte die Historische Abteilung zwei umfangreiche Nachschlagewerke vor. An deren Erarbeitung waren Autoren aus Südosteuropa und der westlichen Welt beteiligt, worin sich die vom Institut stets gepflegten internationalen Kontakte und das auch in der Untersuchungsregion geltende hohe Renommee des Südost-Instituts niederschlugen. Diesem Renommee entsprach auf der anderen Seite eine durchaus intensive Überwachung der Institutsaktivitäten und -mitarbeiter durch die Auslandsdienste einiger der Partnerländer. Gegen Ende der 1970er Jahre vollzog sich am Institut selbst ein Generationswechsel, und von den neuen Mitarbeitern stammten anders als zuvor nur mehr wenige aus dem Untersuchungsraum. 1990 folgte der Münchner Historiker Edgar Hösch als Leiter auf M. Bernath.

Südosteuropa rückte in den 1990er Jahren in das Interesse der Öffentlichkeit, als die Systemwende in den vormals kommunistischen Staaten die allgemeinen zwischengesellschaftlichen Kontakte exponentiell voranbrachte und als sich Jugoslawien in Kriegen gewaltsam auflöste. Die Gegenwartsabteilung wurde gefragter Ansprechpartner der Medien und der Politik. Auch wuchs der Bundesrepublik Deutschland nach der Wiedervereinigung zusätzliche außenpolitische Bedeutung zu, und die Bundesregierung erkannte den Wert der aktuellen politischen Analysen, die im Südost-Institut angefertigt wurden.

 

Krise und Neuanfang (2000 bis 2007)

SOI Güllstr. 7 
Standort des Südost-Instituts in
der
Güllstraße 7 von 1956 bis 2007.
Zeichnung: Volker Hütsch (1980).

So beschloss die Bundesregierung, in Berlin unter dem Dach der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), eine neue außenpolitische Denkfabrik zu gründen, der auch das Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien (BIOst) und eben die Mitarbeiter der Gegenwartsabteilung des SOI angehören sollten. Zum Jahreswechsel 2000/01 hieß es so für zahlreiche Wissenschaftler kurzfristig nach Berlin zu ziehen. Dadurch war das Südost-Institut auf nur mehr drei wissenschaftliche Mitarbeiter und überwiegend auf den Bereich Geschichte reduziert. Im Bibliotheksbereich und beim technischen Personal schlug sich der damalige rigide Haushaltskurs der bayerischen Staatsregierung durch Kürzungen nieder. Unterdessen beschloss das bayerische Kabinett am 12. März 2002, das Institut für Ostrecht, das Osteuropa-Institut und das Südost-Institut aus München nach Regensburg zu verlagern. 2004 versuchte eine wissenschaftspolitische Initiative, dem ein im Schwerpunkt südosteuropabezogenes Konzept einer Zusammenlegung in München entgegenzustellen, und im gleichen Jahr legte das Institut mit dem „Lexikon zur Geschichte Südosteuropas“ ein weiteres Grundlagenwerk vor. Die Zeitschrift „Südosteuropa“ konnte trotz der Auflösung der Gegenwartsabteilung durch gemeinschaftliches Engagement der verbliebenen Mitarbeiter und insbesondere der nach Berlin versetzten Hauptredakteurin am Institut gehalten werden. Die "Untersuchungen zur Gegenwartskunde Südosteuropas" wurden seit 2006 thematisch innerhalb der "Südosteuropäischen Arbeiten" fortgeführt, deren redaktionelle Betreuung intensiviert werden konnte. 2007 erfolgte der Umzug nach Regensburg und es begann eine neue Phase der Institutsgeschichte, die im Anschluss an die nachstehende Darstellung zum Osteuropa-Institut gemeinsam mit der jüngsten Geschichte desselben behandelt wird.