IOS-INFORMATIONEN
Forschung, Veranstaltungen, Publikationen
Vortragsreihe Regensburger Vorträge zum östlichen Europa
Auch im SoSe 2013 findet die Vortragsreihe Regensburger Vorträge zum östlichen Europa statt.
Die einzelnen Termine und Vortragsthemen können Sie dem Programm entnehmen.
First Annual Conference: Nature and the Environment in East and Southeast Europe: Historical and Economic Perspectives
First Annual Conference of the Institute for East and Southeast European Studies (IOS)
In partnership with the Graduate School for East and Southeast European Studies
time: 27-29 June 2013
location: Institute for East and Southeast European Studies, Landshuter Str. 4, 93047 Regensburg, room 319
Forschungskolloquium "Neue Perspektiven in der südost- und osteuropäischen Geschichte"
Heiner Gunert (München):Religiöses Alltagsleben der Serbisch-Orthodoxen in der Herzegowina, 1878–1914
Zeit: Dienstag, 04.06.2013, 18–20 Uhr
Ort: WiOS, Landshuter Str. 4 (Raum 017)
Thomas Wünsch (Passau):Johannes von Dukla als „lieu de mémoire"? Eine polnisch-ukrainische Verehrungsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart
International Academic Conference: The Balkan Wars 1912-1913
Aspects of state formation in Albania and the region, and the new world order on the eve of the First World War.
Organizer: Institute of Southeast Studies, Tirana, in cooperation with the Institute for East and Southeast European Studies / Institute for East and Southeast European Studies, Germany
Conveners: Dr. Konrad Clewing, Institute for East... [weiter]
Politische Mobilisierung in Krisenphasen: Ostmittel- und Südosteuropa seit dem späten 18. Jahrhundert
Die gemeinsam von Herder-Institut (Marburg) und IOS (Regensburg) organisierte Tagung "Politische Mobilisierung in Ostmittel- und Südosteuropa" diskutiert anhand von historischen und aktuellen Beispielen eine der zentralen Fragen zum Verständnis der politischen Geschichte der Region. Ein Fokus liegt auf dem Zusammenhang von Krise, Zäsur und politischer... [weiter]
Geschichte des Instituts
Das Institut für Ost- und Südosteuropaforschung wurde am 1. Januar 2012 gegründet. Seine Geschichte aber reicht durch die beiden ursprünglich in München ansässigen Vorgängereinrichtungen, das 1930 gegründete Südost-Institut und das 1952 ins Leben gerufene Osteuropa-Institut, erheblich weiter zurück. Die beiden Institute existierten die längste Zeit gänzlich unabhängig voneinander. Als eine Übergangsphase hin zu ihrer Vereinigung können die Jahre ab 2007 gelten, in denen sie am neuen gemeinsamen Standort in Regensburg unter einem Dach und in zunehmend enger werdender Kooperation arbeiteten. Die beiden Geschichten werden im Folgenden daher bis 2007 getrennt voneinander behandelt.
Geschichte des Südost-Instituts (SOI)
Geschichte vor 1945
Das Südost-Institut wurde 1930 in München von der Stiftung zur Erforschung des deutschen Volkstums im Süden und Südosten gegründet. Unter seinem ersten Direktor Karl Alexander von Müller widmete es sich zunächst der bayerischen Siedlungsgeschichte und dem "Deutschtum" in den böhmischen Ländern, in Österreich und in Südtirol. Ein Ausdruck dessen sind die ersten Bände der Schriftenreihe Südosteuropäische Arbeiten, die zusammen mit dem Institut für Ostbairische Heimatforschung in Passau herausgegeben wurden. Mit dem Eintritt von Fritz Valjavec ins Institut wurde ab 1935 Südosteuropa in den Blick genommen. Valjavec erhielt vom Stiftungsrat den Auftrag, eine historische Zeitschrift zu gründen. Im darauf folgenden Jahr erschienen die Südostdeutschen Forschungen, die seit 1940 den heutigen Namen Südost-Forschungen tragen. Inhaltlich wurden sowohl die Geschichte der Deutschen in Südosteuropa als auch die Landesgeschichte der Einzelstaaten behandelt. Von Anfang an knüpfte Valjavec zu diesem Zwecke Kontakte zu Wissenschaftlern aus Südosteuropa, die mit großer Mehrheit keine „Südostdeutschen“ waren. Generell trat der Anteil "deutscher" Gegenstände in die zweite Reihe, spätestens zu Kriegszeiten war er von eindeutig nachgeordneter Bedeutung. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde das Institut dem Deutschen Auslandswissenschaftlichen Institut angegliedert; zudem übernahm Valjavec eine Professur an der Auslandswissenschaftlichen Fakultät der Universität Berlin. Im Zuge der Anbindung an diese Berliner Institutionen wurde das Südost-Institut 1943 wie die meisten oder eventuell alle auslandswissenschaftlichen Institute innerhalb des Reiches der Abteilung VI G des Reichssicherheitshauptamts unterstellt. Valjavec selbst reiste in der zweiten Jahreshälfte 1941 für das Einsatzkommando 10b der Einsatzgruppe D der Sicherheitspolizei und des SD in die Bukowina. Andererseits unterhielt er enge Kontakte zu bayerischen monarchistischen Widerstandskreisen und hinterließ auch sonst Zeugnisse einer distanzierten Haltung gegenüber dem Regime, so dass seine Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus schwer zu fassen ist. Das Institut wurde 1944 zwar auf das flache Land nach Arbing in Niederbayern verlagert, die Buchbestände verblieben aber in München und verbrannten bei einem Bombenangriff.
Wiederaufbau nach dem Krieg (1945-1960)
Die nicht vollständig zu klärende Rolle von Valjavec im Dritten Reich veranlasste diesen immerhin, nach 1945 zunächst keine wissenschaftliche Anstellung anzustreben. (Person und Wirken von Valjavec stehen im Mittelpunkt von Band 119 der Südosteuropäischen Arbeiten, herausgegeben durch Mathias Beer und den damaligen Leiter der Institutsbibliothek, Gerhard Seewann: Südostforschung im Schatten des Dritten Reiches. Institutionen, Inhalte, Personen. München 2004). Darin liegt auch ein wesentlicher Grund, warum es bis 1951 dauerte, das Südost-Institut unter der Ägide des bayerischen Wissenschaftsministeriums und unter Beteiligung des Bundeskanzleramts wiederzubeleben. Da Valjavec aber stets seine Kontakte zu wichtigen Personen aus Politik und Wissenschaft gepflegt hatte, blühte es danach unter seiner Leitung (seit 1955 als Direktor) rasch auf. Neben der historischen Abteilung wurde nun auch Gegenwartskunde betrieben. Ab 1952 erschien der Wissenschaftliche Dienst Südosteuropa (seit 1982 unter dem Titel Südosteuropa) und im Jahre 1957 der erste Band der Schriftenreihe Untersuchungen zur Gegenwartskunde Südosteuropas. Darüber hinaus war mit der Herausgabe der Südosteuropa-Bibliographie ab 1956 eine Lücke in der sich während des Kalten Kriegs immer schwerer gestaltenden Literaturrecherche zu füllen. Im gleichen Jahr bezog das Institut seine Räume in der Münchner Güllstraße 7 und der formale Träger, jetzt unter dem Namen Stiftung für wissenschaftliche Südosteuropaforschung, erhielt eine neue Satzung. Inzwischen waren Bundesministerien neben das Bayerische Kultusministerium als Zuwendungsgeber getreten. Daran änderte sich auch nichts durch den plötzlichen Tod von Fritz Valjavec 1960.
Prosperierende Jahrzehnte (1960-2000)
Der vorübergehende Schock über den Tod einer Person, die das Institut in den vorangegangenen 25 Jahren maßgeblich geprägt hatte, konnte durch die schnelle Berufung des Berliner Professors für Südosteuropäische Geschichte, Mathias Bernath, zum neuen Institutsleiter überwunden werden. Vorherige Zeitverträge wurden in Planstellen umgewandelt. In der als Struktureinheit neu etablierten Gegenwartsabteilung erfolgte die Einrichtung von Länderreferaten, die gezielt die steigende Nachfrage an Expertisen zum kommunistischen Südosteuropa bedienen konnten. Mit dem Biographischen Lexikon zur Geschichte Südosteuropas und der Historischen Bücherkunde Südosteuropa legte die Historische Abteilung zwei umfangreiche Nachschlagewerke vor. An deren Erarbeitung waren Autoren aus Südosteuropa und der westlichen Welt beteiligt, worin sich die vom Institut stets gepflegten internationalen Kontakte und das auch in der Untersuchungsregion geltende hohe Renommee des Südost-Instituts niederschlugen. Diesem Renommee entsprach auf der anderen Seite eine durchaus intensive Überwachung der Institutsaktivitäten und -mitarbeiter durch die Auslandsdienste einiger der Partnerländer. Gegen Ende der 1970er Jahre vollzog sich am Institut selbst ein Generationswechsel, und von den neuen Mitarbeitern stammten anders als zuvor nur mehr wenige aus dem Untersuchungsraum. 1990 folgte der Münchner Historiker Edgar Hösch als Leiter auf M. Bernath.
Südosteuropa rückte in den 1990er Jahren in das Interesse der Öffentlichkeit, als die Systemwende in den vormals kommunistischen Staaten die allgemeinen zwischengesellschaftlichen Kontakte exponentiell voranbrachte und als sich Jugoslawien in Kriegen gewaltsam auflöste. Die Gegenwartsabteilung wurde gefragter Ansprechpartner der Medien und der Politik. Auch wuchs der Bundesrepublik Deutschland nach der Wiedervereinigung zusätzliche außenpolitische Bedeutung zu, und die Bundesregierung erkannte den Wert der aktuellen politischen Analysen, die im Südost-Institut angefertigt wurden.
Krise und Neuanfang (2000 bis 2007)
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| Standort des Südost-Instituts in der Güllstraße 7 von 1956 bis 2007. Zeichnung: Volker Hütsch (1980). |
So beschloss die Bundesregierung, in Berlin unter dem Dach der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), eine neue außenpolitische Denkfabrik zu gründen, der auch das Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien (BIOst) und eben die Mitarbeiter der Gegenwartsabteilung des SOI angehören sollten. Zum Jahreswechsel 2000/01 hieß es so für zahlreiche Wissenschaftler kurzfristig nach Berlin zu ziehen. Dadurch war das Südost-Institut auf nur mehr drei wissenschaftliche Mitarbeiter und überwiegend auf den Bereich Geschichte reduziert. Im Bibliotheksbereich und beim technischen Personal schlug sich der damalige rigide Haushaltskurs der bayerischen Staatsregierung durch Kürzungen nieder. Unterdessen beschloss das bayerische Kabinett am 12. März 2002, das Institut für Ostrecht, das Osteuropa-Institut und das Südost-Institut aus München nach Regensburg zu verlagern. 2004 versuchte eine wissenschaftspolitische Initiative, dem ein im Schwerpunkt südosteuropabezogenes Konzept einer Zusammenlegung in München entgegenzustellen, und im gleichen Jahr legte das Institut mit dem „Lexikon zur Geschichte Südosteuropas“ ein weiteres Grundlagenwerk vor. Die Zeitschrift „Südosteuropa“ konnte trotz der Auflösung der Gegenwartsabteilung durch gemeinschaftliches Engagement der verbliebenen Mitarbeiter und insbesondere der nach Berlin versetzten Hauptredakteurin am Institut gehalten werden. Die "Untersuchungen zur Gegenwartskunde Südosteuropas" wurden seit 2006 thematisch innerhalb der "Südosteuropäischen Arbeiten" fortgeführt, deren redaktionelle Betreuung intensiviert werden konnte. 2007 erfolgte der Umzug nach Regensburg und es begann eine neue Phase der Institutsgeschichte, die im Anschluss an die nachstehende Darstellung zum Osteuropa-Institut gemeinsam mit der jüngsten Geschichte desselben behandelt wird.
Geschichte des Osteuropa-Instituts München bzw. Regensburg (OEI)
Die Ära Hans Koch
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| Rückansicht des Osteuropa-Instituts München in der Scheinerstr. 11 (Institutsgebäude von 1959 bis 2007) |
Das Osteuropa-Institut nahm am 1. Februar 1952 als außeruniversitäre Einrichtung, mit gemeinsamer Finanzierung durch den Freistaat Bayern und den Bund, in München seine Tätigkeit auf. Es verstand sich in recht unkritischer Weise als Erbe des gleichnamigen Breslauer Instituts. Der erste Direktor, Hans Koch (1884–1959), hatte die Breslauer Einrichtung von 1937 bis 1940 geführt. Der protestantische, aus Lemberg gebürtige Theologe und Ostkirchenhistoriker Koch war nicht unumstritten. Während des Zweiten Weltkriegs hatte er als herausragender Ukrainekenner wichtige, manchmal auch heikle Aufträge ausgeführt. Die Schwerpunkte, die er nun am Osteuropa-Institut setzte, entsprachen den Bedürfnissen der Zeit: Eingehend auf den weit verbreiteten Durst nach Informationen und weltanschaulicher Orientierung über die neue Lage im politisch und ideologisch geteilten Europa, verwandte er einen großen Teil seiner Zeit auf Vorträge über aktuelle Fragen. Die Forschungstätigkeit des Instituts diente dem Aufbau einer gesicherten Informationsbasis und zugleich der intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Sowjetmarxismus. Zu nennen sind besonders Nachschlagewerke wie das „Sowjetbuch“ (1957) und das Lexikon „5000 Sowjetköpfe“ (1959). Zum Höhepunkt von Hans Kochs Tätigkeit wurde 1955 die Teilnahme als Berater an Konrad Adenauers Moskaureise. Aber auch die als führendes Fachorgan insbesondere zur Geschichte Russlands etablierten „Jahrbücher für Geschichte Osteuropas“ wurden nach ihren Vorläufern in Breslau 1952 am Osteuropa-Institut neu begründet.
Als Standort für das Osteuropa-Institut war zunächst Kloster Prüfening bei Regensburg im Gespräch gewesen. Da es damals in Regensburg aber noch keine Universität und auch keine andere wissenschaftliche Infrastruktur gab, entschied man sich rasch für München, das in den ersten Nachkriegsjahren zu einem Sammelplatz hochqualifizierter Osteuropaspezialisten geworden war und wo in der Folgezeit zahlreiche Institutionen entstanden, deren Aufgabe die Erforschung, aber auch die ideologische und propagandistische Bekämpfung der kommunistischen Welt war.
Vermehrte Ausrichtung auf sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Forschung
Im Übergang zu den Sechzigerjahren mehrte sich die Kritik an der „politischen“ Ausrichtung von Teilen der deutschen Osteuropaforschung, darunter auch des Osteuropa-Instituts. Die Sozialwissenschaften drängten allgemein in den Vordergrund, und es wurde eine engere Zusammenarbeit der Münchner Osteuropainstitutionen mit der Universität und untereinander gefordert; schon 1965 verlangte der Wissenschaftsrat sogar deren Zusammenschluss. Nach einem kurzen Zwischenspiel des Münchner Historikers Georg Stadtmüller übernahm deshalb 1963 der Inhaber des neugeschaffenen Lehrstuhls für Wirtschaft und Gesellschaft Osteuropas, Hans Raupach, die Leitung des Instituts. Er begann sofort mit dem Aufbau der sozialökonomischen Abteilung, deren Gründung schon 1961 beschlossen worden war. Dafür erhielt das Institut 1964 eine Ökonomenstelle und 1966 noch eine Stelle für eine Soziologin bewilligt. Beide Stellen wurden mit jungen Leuten besetzt, die noch nicht promoviert waren, und die außerdem sofort mit viel Redaktionsarbeit überhäuft wurden. Daher kam die neue Forschungsabteilung anfangs nur mühsam voran. 1969 promovierte der Ökonom Heinrich Vogel und wurde daraufhin ständiger Stellvertreter des Direktors. Die Erfolge ließen nicht auf sich warten. Zusammen mit der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität München konnte das Institut das zweijährige Aufbaustudium Osteuropa-Wirtschaft ins Leben rufen, für das die Stiftung Volkswagenwerk von 1964 bis 1970 eine „Anschubfinanzierung“ gewährte, die allerdings nie verstetigt wurde. Das von 1970 bis 1976 laufende DFG-Projekt „Einflussfaktoren im Wachstumsprozess der UdSSR unter den ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen der sowjetischen Industriegesellschaft“ setzte sich deutlich von der vorherrschenden „Ostforschung“ ab, indem es sich den allgemein anerkannten empirisch-statistischen Methoden der Sozialwissenschaft verpflichtet fühlte. Die Arbeit kulminierte in einem statistisch geschätzten makroökonomischen Modell der Sowjetwirtschaft, welches das erste seiner Art war. Diese Forschungen brachten dem Institut weitere befristete Forscherstellen und weltweite Anerkennung. Als sichtbarer Ausdruck von Anspruch und Erfolg der noch jungen wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung kann die 1970 erfolgte Gründung der Fachzeitschrift „Jahrbuch der Wirtschaft Osteuropas“ gelten.
1976 ging Hans Raupach in den Ruhestand und Heinrich Vogel wurde ein Jahr später zum Direktor des Bundesinstituts für ostwissenschaftliche und internationale Studien in Köln. Unter dem neuen Führungsduo Günter Hedtkamp und Hermann Clement als seinem Stellvertreter erlebte das Institut eine lange Phase der Konsolidierung und des Ausbaus. Es gelang regelmäßig, beim Bundeswirtschaftsministerium ausreichend Forschungs- und Gutachtenaufträge einzuwerben. Einer der großen weiteren Erfolge war 1984 die Bewilligung des zusammen mit amerikanischen Partnern bei der Volkswagenstiftung beantragten Projektes „Deutsche in der Sowjetunion“, das der bald aufblühenden Forschung zu den Russlanddeutschen den Weg bahnte, und zahlreiche Anschlussprojekte fand, die außer von der Volkswagenstiftung teilweise auch vom Bundesinnenministerium finanziert wurden.
Die Leitung der kleinen Historischen Abteilung ging 1976 von Georg Stadtmüller an dessen Nachfolger auf dem Lehrstuhl für Geschichte Ost- und Südosteuropas, Edgar Hösch, über. Dieser persönlich außerordentlich bescheidene Gelehrte verstand es sehr effizient, Drittmittel einzuwerben und seine Mitarbeiter zu motivieren. Zusätzlich zu dem noch von Georg Stadtmüller mit Erfolg bei der DFG beantragten Forschungsprojekt „Das Russlandbild in der deutschen Parteipresse 1859–1870“ rief er den Forschungsschwerpunkt „Zwischen Demokratie und Volksdemokratie“ ins Leben, der den Zielen und der Politik der Verlierer in den Machtkämpfen der zweiten Hälfte der Vierzigerjahre gewidmet war. In diesem Rahmen wurden in den Achtzigerjahren mehrere Projekte zu Polen und Finnland erfolgreich zum Abschluss gebracht.
Bereits um die Wende zu den Neunzigerjahren erkannte Hösch die großen Möglichkeiten elektronischer Medien und später des Internets für die Weiterentwicklung der zentralen fachlichen Informations- und Dienstleistungsaktivitäten des Instituts. Hösch betrieb die Digitalisierung der umfangreichen Personenkartei Erik Amburgers zu Ausländern im vorrevolutionären Russland, die am Osteuropa-Institut mit Drittmittelfinanzierung im Jahr 2000 erfolgreich zum Abschluss kam. Im selben Jahr ergriff Hösch die Chance eines neuen Förderschwerpunkts der Deutschen Forschungsgemeinschaft, um Mittel für den Aufbau der „Virtuellen Fachbibliothek Osteuropa (ViFaOst)“ einzuwerben. In deren Rahmen konnten die verschiedenen bibliographischen und Informationsdienstleistungen des Instituts für die deutsche und die internationale Osteuropaforschung mit aktueller Datenbanktechnik ins Internet übertragen werden. Das Nachfolgeprojekt OstDok mit dem Ziel der Förderung des elektronischen Publizierens läuft auch heute noch.
Seit der Wende von 1989/1991
Der Umbruch von 1989 brachte zunächst neue Nachfrage insbesondere nach den Leistungen der Wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung. So war in der Zeit der Transformation vor allem praktische Politikberatung zu leisten. In den wichtigen Jahren der Umgestaltung haben Mitglieder des Osteuropa-Instituts hier einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Geschehen genommen. Aufgrund ihrer Sprachkompetenz, der profunden Länderkenntnis und der Beschäftigung mit den Schwächen des sozialistischen Systems waren sie besonders gut in der Lage, gezielt ihr Fachwissen einzusetzen. Wissenschaftler des Osteuropa-Instituts waren als Berater in Polen, Tschechien, Russland und insbesondere in der Ukraine tätig, aber ebenso auch für verschiedene Balkanstaaten. Oft genug hatten sie Zugang zur ersten Riege der Entscheidungsträger. In dieser Zeit sind viele Kontakte neu entstanden und alte neu belebt worden. Das IOS kann daher auch heute noch auf ein weitgespanntes Netzwerk zurückgreifen, das für die zukünftige Arbeit eine wichtige Grundlage bildet. Das mit dem Aufgehen des Eisernen Vorhangs auch international wieder erwachte Interesse an Wirtschaftssystemen und deren Veränderungen wurde schon 1991 zum Anlass genommen, das „Jahrbuch der Wirtschaft Osteuropas“ zu ersetzen durch die englischsprachige Fachzeitschrift „Economic Systems“, die als renommierte internationale Fachzeitschrift mittlerweile im Elsevier-Verlag erscheint und auch weiterhin am IOS herausgegeben wird.
Die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts markierten in zweifacher Hinsicht einen weiteren Wendepunkt. Die Osterweiterung der Europäischen Union im Mai 2004 beeinflusste das Themenspektrum der Arbeit, in der nun Konvergenzen und Divergenzen der Entwicklungspfade in den Mittelpunkt rückten. Damit verbunden waren neue Themenfelder, wie die Übertragung technischen Wissens, die Verstärkung und Veränderung der Handelsströme zwischen Ost und West, Migration, die fiskalische Neuordnung im Zusammenhang mit der makroökonomischen Stabilisierung und dem Umbau der Sozialsysteme in den Transformationsländern sowie die Frage der Ausweitung der Eurozone, um nur einige zu nennen. Darüber hinaus wurde der Fokus ausgeweitet auf die Nachfolgestaaten der Sowjetunion, so dass sich das OEI nunmehr auch verstärkt mit dem in vielerlei Hinsicht sehr spannenden und von der deutschen Wissenschaft kaum bearbeiteten zentralasiatischen Raum beschäftigte.
Zum Zweiten fiel in diese Zeit die Streichung der quasi-institutionellen Förderung des OEI durch periodische Auftragsgutachten für Ministerien des Bundes. Als Reaktion darauf wurde – auch im Wege von Neueinstellungen – versucht, den zuvor aufgabenbedingt dominierenden deskriptiven Stil der Arbeiten durch methodisch anspruchsvollere Ansätze zu ersetzen, und die Qualität der Forschung zu stärken. Dieser Wandel fiel – abermals – in die Zeit eines Generationenwechsels an der Spitze des Instituts: Von 2001 bis 2005 leitete Lutz Hoffmann das Institut; ihm folgte Joachim Möller und im Oktober 2007 Jürgen Jerger; alle drei waren bereits bzw. sind Professoren an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Regensburg. Die stärkere Nähe zur universitären Forschungslandschaft wurde auch durch neue Formate wie die jährlich stattfindende Sommerakademie und nicht zuletzt durch die gemeinsam mit der Universität Regensburg erfolgte Berufung des stellvertretenden Direktors des Osteuropa-Instituts, Richard Frensch, gesucht und gefunden.
Aber auch die kleinere Historische Abteilung hat sich seit 1989 den Herausforderungen der Wende, der Transformation und der Globalisierung erfolgreich gestellt und verstärkt Archiv- und Literaturrecherchen vor Ort betrieben, die lange Jahre vorher so nicht möglich waren. Das Osteuropa-Institut wurde so zu einem der wenigen Plätze im deutschen Sprachraum, an denen ein Schwerpunkt der Forschung auf der Geschichte der Ukraine liegt.
Auf dem Weg zur Vereinigung: Geschichte der beiden Institute seit 2007
Vom Beschluss des bayerischen Ministerrats zur Verlagerung beider Institute sowie des Instituts für Ostrecht nach Regensburg war bereits die Rede. Trotz gegenteiliger Befürchtungen erwies sich die 2007 tatsächlich vollzogene Verlegung für beide hier behandelten Institute am Ende als eine Chance zum Neuanfang.
Am Südost-Institut wurde das wissenschaftliche Personal Anfang 2008 und erneut Anfang 2010 aufgestockt, wodurch die Tätigkeiten im Bereich der historischen und teilweise auch wieder der gegenwartsbezogenen Forschung weiter ausgedehnt werden konnten. Im Gegenwartsbereich war dadurch als erster Schritt die wissenschaftliche Redaktion von "Südosteuropa" ab 2008 wieder aus eigener Kraft gesichert. 2010 kam eine wissenschaftliche Stelle für die Betreuung des neuen mittelfristigen Projekts "Handbuch zur Geschichte Südosteuropas" hinzu. Der Bereich Bibliothek wurde ebenfalls seit etwa 2006 gezielt gestärkt. Auch als Veranstalter von Vorträgen, Reihen und Tagungen trat das Südost-Institut seit 2007 weitaus stärker in Erscheinung als jemals zuvor in seiner Geschichte. 2010 feierte es sein 80-jähriges Bestehen, und kurz vor dem Ende seiner gesonderten Existenz kam durch seine letzte Publikation mit der „Geschichte Südosteuropas“ erneut ein Grundlagenwerk aus dem Institutsprogramm hinzu, das nicht zuletzt der Vorbereitung des Handbuchprojekts gedient hatte. Mit seinem Umzug wurde das Südost-Institut bei fortbestehender Selbständigkeit zum An-Institut der Universität Regensburg. Im Oktober 2008 wurde Ulf Brunnbauer, zugleich Professor für Südost- und Osteuropäische Geschichte an der Universität Regensburg, Direktor des Instituts. Zuvor hatte Professor Björn Hansen vom Institut für Slavistik der Universität Regensburg für ein Jahr kommissarisch die Direktion des Südost-Instituts innegehabt.
Ähnlich verlief die Entwicklung am Osteuropa-Institut. Die Wechsel an der Institutsspitze hatten die Verlagerung nach Regensburg gleichsam bereits vorweggenommen. Eine erste Personalaufstockung im Jahr 2010 kam hier der ökonomischen Forschung zugute. Die Arbeit beider Institute war zusehends von koordiniertem Vorgehen geprägt. Gemeinsame Aktivitäten erfolgten auch auf der Ebene des 2007 als Kooperationsplattform ins Leben gerufenen „Wissenschaftszentrum Ost- und Südosteuropa“ (WiOS), zu dem außerdem das mit umgezogene Institut für Ostrecht München sowie das 2009 ebenfalls aus München hinzugestoßene Ungarische Institut gehören. Das Gemeinschaftliche bezog sich insbesondere auf den Bereich von Veranstaltungen sowie nochmals gesteigert auf die Aktivitäten der Bibliotheken. Die beiden großen Medienbestände des Osteuropa- und des Südost-Instituts bilden auch heute den Kern der Bibliothek im WiOS, die international zu den größten Spezialbibliotheken zum östlichen Europa gehört.
Die Planungen zur vollständigen Verschmelzung der beiden Institute kamen 2009 in Gang. Die Jahre 2010 und 2011 waren infolgedessen in erheblichem Maß von der konzeptionellen und praktischen Vorbereitung der Vereinigung geprägt.
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