IOS-NEWSLETTER 
Forschung, Veranstaltungen, Publikationen

Seminarreihe des Arbeitsbereichs Ökonomie am IOS

Zeit: Dienstag, 13.30–15.00 Uhr
Ort: Leibniz-Institut für Ost-und Südosteuropaforschung (IOS); vorerst online via Zoom, Anmeldung.
Programm

Forschungslabor: „Geschichte und Sozialanthropologie Südost‐ und Osteuropas“

Zeit: Donnerstag, 14–16 Uhr (Lehrstuhl) oder 16–18 Uhr (Graduiertenschule und Leibniz-WissenschaftsCampus)
Ort: WiOS, Landshuter Str. 4 (Raum 017)
Programm

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30. November 2020
Lectures

L‘Autre Amérique. Die europäische Wahrnehmung Québecs und des quebecer Separatismus als Alternative zu US-Amerika

Ein Vortrag von Dagmar Schmelzer (Universität Regensburg) im Rahmen der Ringvorlesung des Leibniz-WissenschaftsCampus "Europa und Amerika" und des CITAS "Special Relations Revisited: Europa und die USA seit dem 19. Jahrhundert".
Datum
: Montag, 30. November 2020
Zeit: 18.15 Uhr
Ort: online / via ZOOM  (https://uni-regensburg.zoom.us/j/85892790976, Meeting ID: 858 9279 0976)
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Plakat

Zum Vortragsinhalt:
Die frankophonen Kanadier, canadiens français, definierten ihre Identität von jeher kämpferisch, im Gestus der Selbstbehauptung eines „petit peuple“ gegenüber den Weiten des amerikanischen Kontinents – und dies naturräumlich wie kulturräumlich, in Konkurrenz zur anglophonen Übermacht im Süden. Die Konfliktlinie frankophon/anglophon bestimmte dabei historisch nicht nur die Abfolge der kolonialen Abhängigkeiten und später die quebecer Politik im Inneren der Provinz und gegenüber Kanada, sondern auch die Frontstellung gegenüber dem U.S.-Einfluss, zumal die Grenze zu den Vereinigten Staaten sich in mancherlei Hinsicht als permeabel erwies. Setzten die Quebecer als „français améliorés“ (Lionel Groulx/Duplessis) dabei traditionell durchaus auf ihr französisches Kulturerbe, ihre „francité“, positionierten sie sich in Einforderung ihrer „américanité“ zunehmend auch als „l’autre Amérique“, ein Amerika, das z.B. in Sachen Sozialpartnerschaft und Wohlfahrtsstaat eigene Standards bevorzugt und auf ein verschiedene Einflüsse und Vorbilder amalgamierendes „modèle québécois“ (Dupuis) als Alternative setzt.
Speziell in den „années 68“, in denen im Zuge von Wertewandel und Protestbewegungen in Québec auch separatistische Stimmen lauter wurden, ist die transnational ausgerichtete, spannungsreiche Selbstpositionierung der Identitätsdiskurse auffallend. Auf der Weltausstellung 1967 in Montréal gibt sich Québec ein welt- und zukunftsoffenes Bild. Viele der Nationalisten, die die Unabhängigkeit der Provinz einfordern, schließen an tiersmondistische und kapitalismus- und damit auch U.S.-kritische Identifikationsmuster an und suchen in transnationalen linken Befreiungsbewegungen Anschluss. Besonders kontrovers, aber auch besonders plakativ, ist Pierre Vallières Bild der Quebecer als „nègres blancs de l’Amérique“, mit dem er im Kampf gegen die soziale Benachteiligung des frankophonen Proletariats den Schulterschluss zur Black-Panther-Bewegung sucht.
Der Vortrag stellt einerseits anhand verschiedener Beispiele dar, wie die quebecer Identitätsbestimmungen in einem transnationalen und transatlantischen Spannungsfeld, zwischen Europa, Francophonie, Drittweltismus und anglophonem Amerika stehen und geht andererseits der Frage nach, ob und wie diese Identität in Frankreich und Deutschland als „anders“ und eigen wahrgenommen wurde.

Zur Person:
Dagmar Schmelzer ist Privatdozentin – Akademische Oberrätin am Institut für Romanistik der Universität Regensburg. Zu ihren Forschungsinteressen gehören Intermedialität, Reisebericht und Autobiographie sowie die spanische und französische Literatur und Kultur seit dem 19. Jahrhundert.

Kooperationspartner: Leibniz-WissenschaftsCampus Regensburg Europa und Amerika in der modernen Welt sowie das Center for International and Transnational Area Studies (CITAS) der Universität Regensburg