IOS-NEWSLETTER 
Forschung, Veranstaltungen, Publikationen

European Rust Belts. West-East Comparisons – and Beyond

International Conference, Regensburg, 7-8 May 2020
Call for Papers
Deadline for submissions: 15 August 2019

Freie Stellen Text
Gastwiss. Programm Text
Leibniz

Neue Nationsbildungsprozesse in Südosteuropa nach 1945

Projektleiter: Ulf BRUNNBAUER, Hannes GRANDITS (HU Berlin), Holm SUNDHAUSSEN (FU Berlin)
Projekthomepage: http://www.oei.fu-berlin.de/en/projekte/nation-building/projekt/index.html
Laufzeit: seit 2006
Gefördert durch: VolkswagenStifung, Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (Österreich)

In diesem Projekt werden die Nationsbildungsprozesse der Bosniaken, Moldawier, Makedonier und Montenegriner, die sich durch ihren besonders rezenten Charakter auszeichnen, einer vergleichenden Analyse unterzogen. Das Vorhaben beruht auf dem internationalen Forschungsprojekt „New and Ambiguous Nation-building Processes in South-eastern Europe“, das von 2006 bis 2010 unter der Leitung von Ulf Brunnbauer, Hannes Grandits und Holm Sundhaussen durchgeführt worden ist. In diesem Projekt haben Teams von Forscher/innen in Deutschland, Österreich, Bosnien-Herzegowina, Makedonien, Moldova, Montenegro und Serbien unterschiedliche Aspekte des nation building in den heute unabhängigen Ländern Bosnien-Herzegowina, Makedonien, Moldova und Montenegro untersucht.

Ausgangspunkt des Vergleichs waren die Gemeinsamkeiten der Nationsbildungsprozesse in den vier Ländern: Zum einen handelt es sich um Nationen, die ihre offizielle Affirmation und institutionelle Ausgestaltung erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhren; dies geschah in allen vier Fällen im Rahmen eines kommunistisch regierten föderativen Staates (Jugoslawien bzw. Sowjetunion), weshalb der Analyse der jugoslawischen und sowjetischen Nationalitätenpolitik und ihres Erbes in diesen Nachfolgestaaten besondere Bedeutung zukommt. Alle vier untersuchten Nationen sind mit der Negierung ihrer nationalen Identität durch benachbarte, üblicherweise größere und – was die offizielle Anerkennung anbelangt – ältere Nationen konfrontiert, aber auch durch Konflikte mit Minderheiten bzw. anderen Nationalitäten in dem Land, das sie als ihren Nationalstaat ansehen. Aus dieser komplexen Situation resultieren spezifische Ambivalenzen, die im Zentrum der Aufmerksamkeit des Vorhabens stehen, wobei – so die Ausgangshypothese – Ambiguität ein generelles Merkmal von Nationsbildungsprozessen ist, sich aber jeweils spezifisch manifestiert.

Zentrale Fragen, die für die vier Fallstudien untersucht werden, betreffen die Politisierung kultureller Unterschiede, die Strategien der Schaffung von „Nationalkulturen“, die Funktionen kollektiver Erinnerung und von Geschichtspolitik, die Zusammenhänge von Nationalismus und Elitenkonkurrenz, die Rolle von Intellektuellen für die Artikulation nationaler Identifikationsangebote sowie die Schaffung und Verankerung von nationalen Symbolen. Ein quer liegender Erkenntnishorizont wird dabei durch die Spannung zwischen popularer Alltagspraxis und dem Hegemoniebestrebungen von unterschiedlichen Eliten gebildet. 

Projektergebnisse:

- Ulf Brunnbauer, Hannes Grandits (Hgg.): New and Ambiguous Nation-building Processes in South-eastern Europe. München 2012 (Band in Vorbereitung).

- Ulf Brunnbauer: Eine Nation ohne Geschichte oder sechs Nationen mit Geschichte? Jugoslawische Historiker über die jugoslawische(n) Nationsbildung(en). In: Pavel Kolař, Milos Rezník (Hgg.): Die historische Nationalismusforschung im geteilten Europa (Band in Druck).

- Ulf Brunnbauer: Les partis albanais en République de Macédoine: le cercle vicieux de l’ethnopolitique (1990–2006). Übers. Nadege Rugaru. In: Revue d'études comparatives Est-Ouest, 38:4 (2007), 83-114.

- Ulf Brunnbauer: The End of “Jugoslovenstvo”. New Myths of Ethnic Descent Among the Southern Slavs. In: Claire Norton (Hg.): Nationalism, Historiography and the (Re)Construction of the Past. Washington D.C.: New Academia Publishing, 2007, 81–96

- Ulf Brunnbauer: Getrennte Wege: Das demographische Verhalten von Makedoniern und Albanern in Makedonien 1944–2004. In: Thede Kahl, Izer Maksuti, Albert Ramaj (Hgg.): Die Albaner in der Republik Makedonien. Wien/Münster: Lit-Verlag, 2006, 167–184.

Eine Auflistung aller Projektpublikationen findet sich auf der Projekthomepage: http://www.oei.fu-berlin.de/en/projekte/nation-building/Complete_Publication_List1.pdf