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Doppeltagung (Regensburg, Marburg):

Bilder und Sprachen von Not, Gewalt und Mobilisierung. Das östliche Europa nach 1918 in medialen Repräsentationen

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1. Tagung: Der Nachkrieg
IOS Regensburg 12.–13. April 2018

Eine ausführliche Beschreibung der Tagung und des CfP finden Sie hier.

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„Russische“ Doktorinnen deutscher Universitäten: Eine transnationale und transkulturelle Bildungsgeschichte

Bearbeiterin: Trude Maurer
Gefördert durch die DFG. laufzeit: 2012-2015
Deutsche Forschungsgemeinschaft

In neueren Untersuchungen werden Ausländerinnen häufig als Pionierinnen des Frauenstudiums in Deutschland apostrophiert. Dass sich deutsche Frauen im 19. Jahrhundert bei ihren Bemühungen um Zulassung gegen das Stereotyp der revolutionären „russischen“ Studentin abgrenzten und manche sich im frühen 20. Jahrhundert sogar gegen ihre Mit-Hospitantinnen wandten, da diese – im Vergleich zum deutschen Abitur – nur mangelhaft vorgebildet seien, lässt die Pioniers-These aber als zu wenig differenziert erscheinen. Daher soll für die geplante Kollektivbiographie die neben den Amerikanerinnen wichtigste Gruppe ausländischer Studentinnen untersucht werden: jene Frauen aus dem Russischen Reich, die – zunächst mit Ausnahmegenehmigungen als Gasthörerinnen, später als regulär Immatrikulierte – eine deutsche Universität erfolgreich absolvierten. Ihrer sozialen und kulturellen Herkunft nach war diese Gruppe (aus Russinnen, Jüdinnen, Polinnen, Deutschbaltinnen, Russlanddeutsche u.a.) sehr vielfältig. Viele von ihnen hatten bereits an einer russischen Frauenhochschule oder einer Schweizer Universität studiert. Insofern ist die bilaterale Beziehungsgeschichte also zugleich Teil umfassenderer transkultureller Netze. Aus den im Anhang zur Dissertation gedruckten Lebensläufen und den Promotionsakten werden die Daten zu Herkunft, Vorbildung und Studienverlauf eruiert, um daraus Studentinnentypen und Studienmuster zu abstrahieren. Ergänzend werden das Selbstverständnis dieser Frauen und deren Wahrnehmung durch ihre deutschen Lehrer untersucht. Damit soll das Projekt nicht nur die Rolle dieser Ausländerinnen für die deutsche Universitätsgeschichte klären, sondern auch zu einer Neubewertung der russischen Frauenhochschulen beitragen, die in der einheimischen Literatur gern als „Frauenuniversitäten“ bezeichnet wurden. Darüber hinaus kann durch die Einbeziehung dieser Institutionen das bislang auch in der Geschichte der Hochschulbildung asymmetrisch gesehene Verhältnis von Vorbild (Deutschland) und Nachahmer (Russland), das sich durch die Gründung der russischen Universitäten im Zuge der sog. Europäisierung ergab, überprüft werden.