IOS-NEWSLETTER 
Forschung, Veranstaltungen, Publikationen

Social Policy in East and Southeast Europe in Past and Present. Demographic Challenges and Patterns of Inclusion and Exclusion

6 IOS Annual Conference 2018.
Dates: 21 June – 23 June 2018
Location: IOS Regensburg, Landshuter Str. 4

Call for Participants
The application deadline is January 19, 2018

Europa und wir

Vortragsreihe „Offene Hochschule“.

Veranstalter: Volkshochschule der Stadt Regensburg in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und der Universität Regensburg
Datum: Oktober 2017 bis Februar 2018
Zeit: Jeweils um 19.30 Uhr
Ort: in der Lesehalle der Stadtbücherei, Haidplatz 8, 93047 Regensburg
Flyer
Plakat

Seminarreihe des Arbeitsbereichs Ökonomie am IOS

Zeit: Dienstag, 13.30–15.00 Uhr
Ort: WiOS, Landshuter Str. 4 (Raum 109)
Programm Wintersemester 2017/18

Forschungskolloquium: „Geschichte und Sozialanthropologie Südost‐ und Osteuropas“

Zeit: Donnerstag, 14–16 Uhr
Ort: WiOS, Landshuter Str. 4 (Raum 017)
Programm Wintersemester 2017 / 2018

Freie Stellen Text
Gastwiss. Programm Text
Leibniz

Der erste Forschungsschwerpunkt des IOS umfasst zum einen die Analyse von Praktiken der Legitimierung institutioneller Ordnungen. Zum anderen untersucht er die Grenzen staatlichen Handelns sowie die Gründe institutioneller Ineffizienz. Angesichts der mehrfachen Veränderungen staatlicher Zugehörigkeit sowie der durch Krieg, Revolution und Regimewechsel verursachten Diskontinuität von Institutionen, gesellschaftlichen Strukturen und Eliten waren institutionelle Ordnungen in Ost- und Südosteuropa seit dem 19. Jahrhundert immer wieder aufs Neue mit der Frage nach der Durchsetzbarkeit ihrer Geltungsansprüche konfrontiert.

Zu den Ausgangshypothesen des Schwerpunktes gehört die Annahme, dass gerade in der ausgeprägten Diskontinuität eine Ursache für die weitverbreitete Personalisierung sozialer Beziehungen in Ost- und Südosteuropa zu suchen ist. Ebenso erscheint der Mangel an Kontinuität ursächlich für das häufig konstatierte Misstrauen in formale Institutionen. Mit diesem Ansatz wenden wir uns gegen kulturalistische Erklärungen dieser Phänomene und betonen vielmehr die Bedeutung situativer Logiken. Diese machen individuelle Verhaltensmuster auch ohne Rückgriff auf kulturelle Traditionen verstehbar – was nicht heißt, dass longue durée Faktoren ignoriert werden sollen. Bestimmte Haltungen zu Institutionen können sich verfestigen und zum Teil des gesellschaftlichen Erfahrungs- und Wertehorizonts – also der Kultur – werden. Um die zeitliche Dynamik der Ausprägungen von Staatlichkeit und Governance in den Blick zu nehmen sowie um diachrone Vergleichsfälle zu schaffen, fokussiert der Schwerpunkt vier  Phasen, in denen Institutionen einem grundlegenden Wandel unterlegen sind:

  1. Momente der Verdichtung staatlicher Gewalt in imperialen Kontexten;
  2. Kriege und Nachkriege als besondere critical junctures;
  3. Die 1960er bis 1980er Jahre als Zeit des Wandels realsozialistischer Staatlichkeit;
  4. Die postsozialistische Transformationsperiode.

 

Symbolisierungspraktiken zur Legitimierung von Institutionen

Thematisch geht es zum einen um die Analyse der Symbolisierungspraktiken, mit denen Eliten Institutionen mit staatlicher und gesellschaftlicher Ordnungsfunktion zur Geltung bringen und ihnen Legitimität verschaffen wollen. Diese Frage wird vor allem anhand imperialer Zusammenhänge untersucht, wobei die symbolischen Repräsentationen der zentralen Aufgaben und Einrichtungen des imperialen Staates im Vordergrund stehen: der Hof des Monarchen (Projekt: „Die Phanariotenherrschaft: Hofkultur und kulturelle Beziehungen in den Donaufürstentümern Moldau und Walachei im 18. Jh.“), die Kriegsführung (Projekt: „Das Bild des Krieges im Moskauer Zartum unter Ivan IV., 1547–1584“) und die Herrscherpersönlichkeit (Projekt: „Repräsentanz und Realisierung monarchischer Herrschaft: die „Kaiserreisen“ von Joseph II. und Franz I., 1768–1835“). Untersucht werden auch neue Visionen des Politischen und die damit einhergehenden (Re-)Präsentationen der erhofften Ordnung im 19. und frühen 20. Jh. im Spannungsverhältnis zwischen imperialer und nationaler Verfasstheit (Projekt: „Politische Ideen und Bewegungen, 1800 bis 1945“). Diese zeitliche und räumliche Spannweite erlaubt den diachronen sowie synchronen Vergleich, um Kontextabhängigkeit und Relevanz unterschiedlicher Faktoren zu überprüfen.

 

Reichweite institutioneller Steuerungsfunktionen

Die zweite, thematisch zentrale Frage ist jene nach der Reichweite institutioneller Steuerungsfunktionen sowie – spiegelbildlich – nach den sozialen Aneignungs-, Verhandlungs- und Verweigerungspraktiken. Dabei zeigen sich insbesondere in Umbruchzeiten ausgeprägte Reibungen zwischen staatlicher und sozialer Praxis (Projekte: „Grenzen frühmoderner administrativer Herrschaft: Dalmatien in den 1830er Jahren“; „Akzeptanz marktwirtschaftlicher und demokratischer Institutionen in Osteuropa“). Wesentliche Aufschlüsse erlaubt auch die Analyse des Funktionierens staatlicher Organe in extremen Zeiten, insbesondere bezüglich der Kontinuität des Verwaltungshandelns trotz radikalen politisch-staatlichen Bruchs, wie während des 2. Weltkriegs (Projekt: "Institutions in a Time of Extremes: Local Administration in Bessarabia and Transnistria (1939-1945)"). Besonders markant tritt die Spannung zwischen einem weitgehenden staatlichen Interventionsdispositiv und sozialen Praktiken des Aus- und Zurückweichens während des Staatsozialismus zutage (Projekte: „Kommunistische Gesellschafts- und Sozialpolitik in Ostmittel- und Südosteuropa“; „Konfiguration und Wandel von Herrschaft und Macht im sozialistischen Jugoslawien am Beispiel von Aleksandar Ranković, 1944–1966“; „Gesundheit, Hygiene und die Assimilation von Roma in Ungarn und Österreich aus einer intersektionellen Perspektive, 1950er-1980er“). Analysiert werden zudem die Folgen von überstaatlichen Verflechtungen für die Steuerungskapazitäten von formalen Institutionen (Projekt: „Offenheit und institutioneller Wandel: Das Beispiel der Rule of Law“). Aus der Perspektive der sozialen Akteure wird untersucht, welche Faktoren die Nichtakzeptanz von formalen Regularien und die Wahl informeller Mittel begründen (Projekte: „Institutionelles Vertrauen und Korruption in den Gebieten der einstigen Habsburgermonarchie“; „Korruption, Wahlverhalten und Beschäftigung am Beispiel von Parlamentswahlen in Russland“). Eine besondere Rolle spielt die Frage, welche Probleme und spezifischen gesellschaftlichen Wahrnehmungen zu neuen staatlichen Funktionsübernahmen, aber auch reziproken Hinterfragungen von Staatlichkeit führen; dabei stehen ökologische Fragen im Vordergrund (Projekte: „Radioaktive Landschaften in Ost und West“ ; „Optionen der Umweltpolitik in Ordnungen schwacher Staatlichkeit“).